Archiv der Kategorie 'Buch und Literatur'

Erich Kästner „Hymnus auf die Bankiers“ (1929)

Von Keulenschwingern und dem A-Wort

Ein Kommentar zum Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass

Es war sicherlich kein Tabubruch, als sich Grass mit seinem Gedicht „Was gesagt werden muss“ auf den schmalen Grat der berechtigten Kritik an einem atomar hochgerüsteten Staat begab, der seit seinem Bestehen einen ebenfalls berechtigten Anspruch auf die Verteidigung seiner Existenz hat. Jedoch ist der Umgang mit seiner Person nach der Veröffentlichung der kritischen Zeilen ein Zeichen dafür, dass es immer noch einen tiefen ideologischen Graben in der Frage einer differenzierten Meinungsbildung zum Nahen Osten gibt. Auf die Schnellschuss artigen Verurteilungen und den zu erwartenden Vorwurf des Antisemitismus, folgte Heute für Grass ein Einreiseverbot nach Israel.
Ist diese Vorgehensweise verhältnismäßig in einer Zeit, wo wir Kultur und Presse mit ihrer kritischen Religionsbetrachtung vor Eiferern und Fanatikern verteidigen? Ist es angebracht einen Literaturnobelpreisträger jegliche Kompetenzen abzusprechen, weil er als 17 jähriger in den Wirren des Krieges von verbrecherischen Nazis in eine Waffen-SS Uniform gesteckt wurde?
Nein, denn in den letzten Tagen erleben wir die Tabuisierung von einer Seite unserer Gesellschaft, die mit dem Totschlagargument des Antisemitismus versucht, uns einen unvoreingenommenen Blick auf das Geschehen zu verwehren. Ist man laut Henryk M. Broder der „Prototyp des gebildeten Antisemiten“, wenn man Israels ultra-konservativer Regierung unter Netanjahu warnt, dass ein Angriff auf den Iran ein folgenschweres Abenteuer sein könnte?
Die berechtigte Angst vor einer Vermischung von Israelkritik und Antisemitismus ist verständlich, aber geradezu höhnisch, wenn sie aus der Ecke der Springer-Presse kommt, wo man Toleranz und Achtung der Menschenwürde als Einbahnstraße sieht. Die Wucht der Entrüstung trifft nicht die wahren Feinde jüdischen Lebens. Die neofaschistischen Rattenfänger werden sich bestätigt fühlen, wenn man den Versuch eines konstruktiven Disputs in die Fahrwasser des Antisemitismus leitet.

Buchtipp: Die Zentrale – Geschichte des Berliner Karl-Liebknecht-Hauses

Es gab 1927 in Berlin bessere Adressen als das Scheunenviertel – halb Judenghetto, halb Eldorado der Unterwelt. Dass die KPD trotzdem dorthin ihre Zentrale verlegte, unterstrich ihr Selbstverständnis als Partei der Verachteten und der Zukurzgekommenen.
Der Polizei war dieses Haus ein Dorn im Auge, den Nazis ohnehin. Haussuchungen und Überfälle waren an der Tagesordnung. Oft schlug der kommunistische Selbstschutz zurück – Tote zählten alle Seiten. Die Nazis verwandelten den Ort in eine ihrer Zentralen: ins Horst-Wessel-Haus.
Zerstörung, Wiederaufbau sowie die Nutzung durch die SED fanden ohne große Öffentlichkeit statt. Erst mit dem Einzug der PDSFührung im Jahre 1990 wurde das Haus wieder ein Ort der Politik. Heute befindet sich hier die Zentrale der Partei DIE LINKE.

von Ronald Friedmann
160 Seiten, 82 Abbildungen, broschürt
ISBN 978-3-320-02254-9
Karl Dietz Verlag 2011




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