Archiv für April 2016

Rote Karte gegen Sexismus! Sexualisierte Gewalt & sexuelle Übergriffe sind keine Importwaren

Sexismus und Gewalt gegen Frauen sind keine Importwaren, sondern allgegenwärtig in Deutschland. Ausnahmslos verurteilen wir Gewalt gegen Frauen sowie die Instrumentalisierung von Frauenrechten für rassistische Hetze.


Die Vorsitzende der LINKEN. Rostock, Eva-Maria Kröger.

Antisexismus von Rechts?

Sexismus und sexuelle Gewalt gegen Frauen werden wieder stärker öffentlich thematisiert. Ausgangspunkt für diese Debatte ist vor allem die vergangene Silvesternacht in Köln. Es waren so bezeichnete „übergriffige Fremde“ nötig, um dieses wichtige Thema in einer breiten Öffentlichkeit anzustoßen. Doch das neue Interesse ist vor allem deshalb heuchlerisch, da Viele es höchst einseitig und verzerrt betrachten. Sexuelle Übergriffe und Sexismus jeglicher Art werden oft ausschließlich Migranten und geflüchteten Männern angelastet. Hier werden rassistische Ressentiments und Stereotypen neu forciert: die verführenden, jüdischen Männer, die wilden und hyperpotenten Afrikaner oder eben die frauenverachtenden Muslime.

Dabei sind die Täter von sexuellen Übergriffen häufig Familienangehörige, Nachbarn, Kollegen oder Freunde. Mehr als drei Viertel aller Täter kommen aus dem direkten sozialen Umfeld der betroffenen Frau bzw. des betroffenen Mädchens. Wer behauptet, die deutsche Gesellschaft sei vollständig aufgeklärt und emanzipiert, verschließt die Augen vor der Realität.

Die Mythen vom „übergriffigen und gewalttätigen fremden Mann“ greifen auf Bilder und Geschichten zurück, die seit Jahrhunderten innerhalb von Familien, Dorfgemeinschaften und anderen sozialen Einheiten erzählt werden. Sie sind kulturell verankert, beispielsweise in Märchen, Liedern, Gemälden oder auch Filmen. Diese Stereotypen, die sowohl rassistisch als auch sexistisch sind, haben bestimmte Funktionen: Zum einen wird das Bild eines Gewalttäters gezeichnet, welcher als der „Andere“ / der „Fremde“ dargestellt wird. So wird eine Auseinandersetzung mit der Gewalt, die im sozialen Umfeld, in der eigenen Familie oder in der eigenen Pear-Group stattfindet, umgangen oder verschwiegen. Der bekannte oder gar verwandte Täter wird geschont und damit der Konflikt vermieden. Die Auseinandersetzung mit sexuellen Übergriffen, individuellem oder auch strukturellem Sexismus und in der eigenen Gesellschaft wird ausgeblendet. Diese Ablenkung ist rassistisch, weil sie übergriffiges Verhalten von der Herkunft des Menschen ableitet. Im Gegenzug wird die eigene Gesellschaft als die aufgeklärte, zivilisierte und moderne Welt dargestellt.

Zunehmend benutzen Rassist*innen das Thema sexueller Gewalt, um damit ihre Hetze zu verbreiten. Dabei interessiert sie das Thema Sexismus gar nicht. Übergriffe werden dort, wo sie in die rassistische Deutung passen, verbreitet und aufgebauscht. Wo das nicht der Fall ist, eben nicht. Rechte Bürgerwehren, rechtspopulistische Parteien und Bewegungen, wie die AfD und Pegida und nicht zuletzt Neonazis, erklären sich zunehmend als Beschützer „unserer“ Frauen – und machen sie damit zu einem Objekt der eigenen vermeintlichen Männlichkeit und missbrauchen ihre Schicksale aus rein taktischen sowie politischen Gründen.

Was tun? Was tun!

Aus emanzipatorischer Sicht handelt es sich hierbei um eine rückwärtsgewandte Kritik. Die Rechte von Frauen und Homosexuellen werden gerne betont – und damit die Selbstvergewisserung, in jener modernen Gesellschaft zu leben. Gleichzeitig werden Forderungen nach zusätzlicher Gleichstellung, wie die gleichgeschlechtliche Ehe oder der Equal Pay Day, aggressiv zurückgewiesen. Was anstößt, ist der Sexismus der anderen, der „Fremden“. Was in Deutschland passiert, habe angeblich nichts mit Sexismus zu tun.

Wir fordern eine konsequente Bekämpfung des Rechtspopulismus. Der Kampf um Gleichberechtigung und Gleichstellung sexueller und geschlechtlicher Identitäten und Orientierungen ist Teil einer grundsätzlichen Gesellschaftskritik. Wir ringen um die Gleichstellung sexueller und geschlechtlicher Lebensweisen mit dem Ziel der Aufhebung einer diskriminierenden und heteronormativen Gesellschaft.

Quellenverzeichnis:

afawerne.blogsport.de

www.amadeu-antonio-stiftung.de

www.amadeu-antonio-stiftung.de

www.lisa-frauen.de

www.frauenkampftag2015.de

Artikel zuerst erschienen auf www.die-linke-rostock.de.

25 Jahre Rosa-Luxemburg Stiftung in Mecklenburg Vorpommern

Wann: 2.Juli
Wann: 10:30 Uhr
Wo: Steigenberger Hotel „Sonne“ Rostock / Gr. Wasserstraße / Am Neuen Markt

Details:
Am 2. Juli 1991 gründeten ein paar Enthusiasten in Rostock das Forum für politische und interkulturelle Bildung Mecklenburg-Vorpommern e.V. Ihr Engagement ließ den Verein im Verlauf der ersten zehn Jahre, auch ohne größere finanzielle Förderung, von einem zarten Plänzchen zu einem, zunächst durch die nahe stehende Partei und bald auch darüber hinaus anerkannten Faktor politischer Bildung im Lande werden. Seit 2003 um ein von Berlin finanziertes RLS-Regionalbüro MV verstärkt, konnte der Anteil eigener Veranstaltungen sowie die Kooperation mit zahlreichen Partnern erweitert sowie Projektförderung betrieben werden. 2011 benannte sich die Landesstiftung in Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern e.V. um.

Am 2. Juli 2016 begehen wir unser 25. Gründungsjubiläum und freuen uns auf Gäste, darunter Dr. Gregor Gysi, mit dem wir anfangs ins Gespräch kommen wollen. Es schließen sich unsere Jahresmitgliederversammlung sowie ein Informationsaustausch der ehrenamtlich wirkenden RLS-Freundeskreise an.




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